10-jähriges Jubiläum des Aachener Kofos am 7. Juni 2008

Das Aachener Kommunikationsforum feierte am 7. Juni 2008 ihr 10-jähriges Jubiläum im Hörgeschädigtenzentrum in Aachen statt.

Nun soll ein kurzer Rückblick gegeben werden, wie Kommunikationsforen entstanden. Gertrud Mally rief das erste Kommunikationsforum (KoFo) im Jahr 1984 in München ins Leben. Von da an verbreiteten sich solche Kommunikationsforen auch in vielen größeren Städten Deutschlands. So entstand im Jahre 1998 das Aachener Kofo. In den letzten Jahren verschwinden leider aus verschiedenen Gründen mehrere Kommunikationsforen in Deutschland. Das Aachener Kofo feiert nun sein 10-jähriges Jubiläum und das Team des Aachener Kofos wünscht sich, dass es so weiter bestehen bleibt, auch wenn es in der heutigen Zeit nicht so einfach ist.

Um ein Kommunikationsforum durchführen zu können, ist eine gute Teamarbeit eine wichtige Voraussetzung. Daher entwickelte das Aachener Team eine Idee, den Leuten zu vermitteln, dass die Teamarbeit nicht nur für das Aachener Kofo, sondern auch für andere Gruppen wie z.B. die Arbeitsgruppe „Sign Dialog” gilt. Denn das Ziel ist, dass die Zuschauer diese Idee mitnimmt und selbst oder mit Freunden eigene Gruppen gründen und eben im Team mitarbeiten. So könnten beispielsweise Aktionsgruppen aufgebaut werden. Das gilt auch für Vereine. Denn Gruppen oder Vereine leben solange, wie die Teamarbeit gut funktioniert.

An diesem Jubiläumstag hielt Benedikt Feldmann den ersten Vortrag über das Thema „Führerschaft und Teamarbeit”. Benedikt Feldmann zeigte auf, dass Führungskräfte andere Verhaltensweisen als durchschnittliche Menschen haben und dass diese letzteren auch lernen können, selbst Führungskraft zu werden.

Nach der kurzen Pause hielt die Aachener Gruppe „Sign Dialog” einen zweiten Vortrag mit dem Thema „Recht auf 100% Untertitel”. Hier wurde darüber berichtet, warum die Gruppe für die Rechte der tauben Menschen kämpft. Denn Deutschland ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ein Entwicklungsland, was die Untertitelung im Fernsehen betrifft. So werden im Durchschnitt nur 8% von allen Sendungen untertitelt. Denn taube und hörgeschädigte Zuschauer haben gleiche Rechte wie Hörende, alles von Fernsehsendungen mitzubekommen. Bis jetzt sind sie über 90% vom Fernsehen ausgeschlossen. Das wichtigste Ziel in dieser ganzen Angelegenheit ist, dass ein neuer Paragraph in den Rundfunkstaatsvertrag erscheinen muss: es sollen innerhalb von max. 10 Jahren 100% Untertitel für alle TV-Sender ab einem Marktanteil von 1% produziert werden. Auch muss die Gebärdenspracheinblendung im Fernsehen legitimiert werden. Hier ist zu erwähnen, dass die Sendungen originalgetreu untertitelt werden müssen. Eine Vereinfachung der Sprache ist unerwünscht. Wir fordern einen besseren Zugang zu allgemeinen Informations- und Unterhaltungssendungen.

Dieser Paragraph ist ein wichtiger Schritt, damit auch die privaten Sender dazu verpflichtet werden, die Sendungen zu untertiteln. Ein Gesetz allein reicht nicht, sondern dieser Rundfunkstaatsvertrag ist entscheidend für diese Entwicklung. Deshalb muss dafür gesorgt werden, dass der o.g. Paragraph in den Rundfunkstaatsvertrag kommt.

Es wurde erläutert, dass eine Demonstration „Recht auf 100% Untertitel” am 23.08.2008 in Köln durchgeführt werden soll. Dafür ist auch eine gute Teamarbeit notwendig und soll in den Workshops erläutert werden.

Am Nachmittag fanden drei Workshops statt, die von den Teammitgliedern geleitet wurden. In einem Workshop, der von Christian Sailer geleitet wurde, wurde über das Thema „Dolmetscher und Ordner” besprochen. So haben Ordner ihre Aufgaben, für Ruhe und Ordnung während einer Demonstration zu sorgen.

Im zweiten Workshop von Kilian Knoerzer und Ege Karar arbeitete die Gruppe über das Thema „Demo – Was machen wir?”. Es geht nicht nur um Mitgehen, sondern auch darum, was man den hörenden Bürgern erklären kann. Z.B. hatte ein Teilnehmer eine Idee mit einer Trillerpfeife. Denn die Demonstration wird wahrscheinlich ruhig sein, da nicht gesprochen, sondern gebärdet wird. Um Hörende auf die Demonstration aufmerksam zu machen, soll ab und zu mit der Trillerpfeife gepfiffen werden.

Im dritten Workshop erklärte Isa Werth den Interessenten, was man für die Vorbereitung von Bannern oder Schilder braucht. So brauchte man verschiedene Materialien wie z.B. alte Bettlaken, Holzstäbe zum Tragen von Bannern, Textilfarben oder farbige Eddingsstifte, Tacker mit Klammern zum Befestigen von Bannern auf Holzstäben. Auch überlegten sich die Teilnehmer verschiedene Sprüche, die auf Bannern gemalt werden sollten. Es gab auch Vorlagen für passende Sprüche. Die Teilnehmer gingen begeistert und voller Motivation an die Arbeit.

Nach den Workshops wurden die jeweiligen Workshopleiter aufgerufen, einen zusammenfassenden Bericht über die Gruppenarbeit zu geben. Es gab eine Diskussion mit den Zuschauern. Die Teilnehmer vom dritten Workshop gingen mit den fertiggestellten Bannern auf die Bühne und zeigten begeistert den Zuschauern, dass die Herstellung von Bannern kein großer Aufwand ist und diese Arbeit auch Spaß macht.

Die Teilnehmer waren sehr motiviert und konnten das Gelernte mit nach Hause nehmen.

Es gab während dieser fröhlichen Veranstaltung eine Kinderbetreuung. Vier hörende Studentinnen des Gebärdensprachkurses in Aachen betreuten die tauben und hörenden Kinder gemeinsam und brachten ihnen viel Freude mit Malen und abwechslungsreichen Spielen.

Am Abend gab es einen kleine „Theatershow mit ACE und bengie”, der einen Vorgeschmack für den großen Auftritt am nächsten Tag in Essen gab. Diese Aufführung begeisterte die Zuschauer sehr.

Dazwischen war die Live-Übertragung des Eröffnungsspiels der EM 2008 aus der Schweiz zu sehen.

Die Veranstaltung wurde durch Grillen und Getränke abgerundet. Es gab leibliches Wohl in Form von Kuchen, Salatbuffet sowie verschiedenen Getränken.

Insgesamt verlief die Jubiläumsveranstaltung des Aachener Kofos sehr erfolgreich. Die Vorstandsmitglieder der Kulturgemeinschaft Gebärdensprache e.V. und das Team des Aachener Kommunikationsforums sind mit der Veranstaltung sehr zufrieden.

Verfasser: Isa Werth und Ege Karar

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