Kommt doch ein UT-Gesetz aus “höherer Ebene”?

Schriftliche Erklärung zur Untertitelung erreicht Plenartagung des Europäischen Parlaments

“Schriftliche Erklärung zur Untertitelung aller öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme in der EU” – das zweiseitige Schreiben mit dem hoffnungsvollen Titel wird vielleicht enorme Veränderung mit sich bringen. Lidia Geringer de Oedenberg, Abgeordnete des Europäischen Parlaments, hat diese Erklärung Ende November verfasst und sie zur Abstimmung vorgelegt. Die Lady weiß, wovon sie spricht: Sie war 2001 Programmdirektorin beim Polnischen Fernsehen (Abteilung Wroclaw).

Das Ergebnis kann… sich sehen lassen: 427 Unterzeichnungen konnte Lidia Geringer de Oedenberg sammeln. Nun wird das Schreiben am 9. April, also schon morgen bei der Eröffnung der Plenartagung (9. – 10. April in Brüssel) für “angenommen” erklärt – von keinem Geringeren als der Präsident des Europäischen Parlaments.

Die wichtigsten Punkte der Erklärung sind: Alle Bürger der EU sollen den gleichen Zugang zu Informationen und Bildung haben. Dazu gehört auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Denn es hat unter anderem die Aufgabe zu bilden und zu informieren. Weil die heutige Technik es ermöglicht, Fernsehsendungen “live” zu untertiteln, sollen alle öffentlich-rechtlichen Sender in der EU diese Möglichkeit nutzen und hörgeschädigten Zuschauern den Zugang zu den Programmangeboten ermöglichen. Und das sind nicht wenige Leute: “In Europa sind über 83 Millionen Menschen von einem vollständigen oder teilweisen Hörverlust betroffen”, steht in der Erklärung von Lidia Geringer de Oedenberg. Die Dame weist noch darauf hin, dass das Problem sich durch die wachsende Zahl der alten Menschen verschärfen wird … Also wird mit dieser Erklärung die Kommission dazu aufgefordert, einen Legislativvorschlag (Gesetzentwurf) auszuarbeiten. Der Inhalt: Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in der EU müssen dazu verpflichtet werden, ihr gesamtes Programm zu untertiteln … Sobald der Präsident diese unterzeichnete Erklärung den Mitgliedsstaaten übermittelt hat, werden diese wohl kurz vor einem Herzkasper stehen: Lediglich die BBC erfüllt heute schon die Anforderungen. Seit April 2008 stattet der öffentlich-rechtliche britische Sender das komplette Fernsehprogramm mit Untertiteln aus. Die deutschen Sender, vor allem die Dritten (außer WDR) hinken da gewaltig hinterher. Falls so ein Gesetz tatsächlich kommen sollte: Es wird wahrscheinlich die Sender nicht von heute auf morgen zur Untertitelung verpflichten. Bestimmt gibt es zahlreiche Fristen (bis 2012?), vielleicht auch eine “Untertitelung auf Raten” (2010: 20 %, 2011: 30 % usw.). Und nicht zuletzt können sich die Öffentlich-rechtlichen mit kleinen Strafen in Höhe von ein paar Milliärdchen die Gnadenfristen verlängern lassen (man denke an das Haushaltsdefizit) … Auf alle Fälle senden wir herzliche Grüße nach Polen! Für alle, die es amtlich haben wollen: Unten finden Sie die schriftliche Erklärung im pdf-Format, die uns die Pressestelle des Europäischen Parlaments zugeschickt hat.

Quelle vom LB-Magazin: http://www.lbmagazin.de/page2.php?rub=12&id=151

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